Wie ich eine Zugfahrt erlebe

       Hallo,

für mich wird es bald ernst:

In weniger als einer Woche beginnt für mich das Studium an der Technischen Hochschule Köln. Um da irgendwann einmal auch alleine hinzukommen, habe ich hart trainiert. Von meiner Zugfahrt zur TH und meinen Gedanken während dieses Weges möchte ich heute erzählen.

Ich stehe auf dem Bahnsteig und warte auf den Zug in Richtung Köln. "Es ist 10 Uhr 50", verkündet meine Uhr. Meine Ohren sind gespitzt. In wenigen Minuten wird der Zug eintreffen. Da höre ich auch schon die Ansage: "Einfahrt RE7 nach Reine über Dormagen und Köln Hauptbahnhof." Kaum ist die Ansage verstummt, da vernehme ich schon das aufgeregte Knistern und Quietschen der Gleise und die Geräusche des heranfahrenden Zugs. Als der Regionalexpress dann mit einem leisen Schnauben anhält bewege ich mich auf den Zug zu und taste mich an ihm entlang, immer auf der Hut vor dem Spalt zwischen Zug und  Bahnsteigkante. Irgendwann habe ich dann eine Tür entdeckt und steige erleichtert ein. Geschafft! Nun noch einen Sitzplatz finden. Ich drehe mich nach rechts und taste mich vor, bis mein Stock an die Sitzreihen stößt. Vorsichtig strecke ich die Hand aus und berühre den Sitz rechts neben mir. Aber da ist nur das samtige Sitzpolster, also ist der Platz frei. Ich lasse mich erleichtert auf den Sitz fallen und stelle meinen Timer auf 20 Minuten, um rechtzeitig wieder in Richtung Tür gehen zu können. Nun kann ich entspannt meine WhatsApp-Nachrichten lesen oder mich mit meiner Begleitung unterhalten.

 

Circa 20 Minuten später reißt mich mein Timer wieder aus den Gedanken. Ich stecke mein Handy in die Tasche und stehe auf. Langsam gehe ich durch den Zug in Richtung Tür. "In einem fahrenden Zug zu laufen, ist ganz schön schwierig", denke ich, während ich versuche, bei der ganzen Schaukelei das Gleichgewicht zu halten. Zum Glück finde ich einen dieser metallenen Haltegriffe, an dem ich mich festhalte, während der Zug in den Kölner Hauptbahnhof einfährt. Als der Zug zum Stehen kommt und ich gerade auf den Türöffner drücken will, spricht mich eine Frau an: "Entschuldigen Sie, Sie stehen auf der falschen Seite." "Oh, danke", antworte ich und mache mich daran, den Zug zu verlassen. Doch dann stehe ich vor dem nächsten Problem: Wo sind die Treppen? Und wieder kommt Hilfe: "Zu den Treppen geht's rechts rum", sagt dieselbe Frauenstimme. Wieder bedanke ich mich und mache mich auf den Weg. Nur wann kommen diese verflixten Treppen? Warum gibt's hier keine Leute, an denen ich mich orientieren kann? Als mir eine junge Frau anbietet, mich zu den Treppen zu bringen, nehme ich das Angebot erleichtert an und hake mich bei ihr ein. Am unteren Ende der Treppe verabschiede ich mich von ihr und greife zum Treppengeländer. Dort steht in erhabener Schwarzschrift geschrieben, welches Gleis sich wo befindet. Ich weiß, ich muss mich nach den höheren Zahlen orientieren, um zum Breslauer Platz zu kommen. Ich lege die Richtung fest, suche die Leitlinie und folge ihr. "Gehe ich richtig", frage ich mich immer wieder. Doch dann spüre ich es: Es geht bergab, ich bin richtig!!! Immer wieder stößt mein Stock gegen Hindernisse, vielleicht sind es Füße oder es ist ein Koffer. Ich weiß es nicht und mir ist es so ziemlich egal, was ich da mit meinem Stock berühre. Wenn jemand gar nicht zur Seite gehen will, mache ich mich mit einem kurzen "Entschuldigung" bemerkbar.

 

 

Endlich spüre ich einen Luftzug und bald die Gummimatten vor dem Ausgang. Ich hangle mich nach rechts am Bahnhofsgebäude entlang und an den unzähligen Türen vorbei, bis ich eine Leitlinie finde. Dieser folge ich und stutze kurz, als die Linie plötzlich weg ist. Doch dann erinnere ich mich wieder: "Das ging baulich nicht anders, das hast du doch im Training gelernt." Erleichtert gehe ich weiter, um dann beim zweiten Noppenpflaster nach links abzubiegen. Ich finde einen Handlauf und gehe die Treppe hinab. Unten begrüßt mich ein Noppenstreifen. Ich bewege mich nach links und finde die Leitlinie. Ich gehe schneller, schließlich weiß ich: Hier geht's nur geradeaus. Doch plötzlich fällt mein Stock ins Leere. "Was ist jetzt los", denke ich, aber in diesem Moment fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich stehe vor der nächsten Treppe. Vorsichtig suche ich das Geländer und gehe die Treppe hinab. Unten muss ich einer Zickzack-Kurve folgen. Und dann ist Vorsicht geboten, denn ab hier stellt das Leitsystem auch meine Begrenzung zur Bahnsteigkante da. Am zweiten Noppenfeld bleibe ich stehen, gehe ein paar Schritte zurück und warte auf meine U-Bahn. "Nächster Zug auf Gleis 3: Linie 16 Richtung Sürt", verkündet eine laute, deutliche Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Ich mache mich bereit und lausche den Geräuschen des Zuges. Als er anhält, höre ich wie rechts und links Türen aufgehen. Ich entscheide mich für die rechte Tür und beeile mich sie zu finden. Als ich sie erreicht habe, geht sie auch schon zu. Aber glücklicherweise hat jemand die Tür noch daran gehindert, mich zu zerquetschen, sodass ich einsteigen kann. In der Bahn angekommen, frage ich nach einem freien Sitzplatz. "Da ist was frei", antwortet ein Mann. "Mit da kann ich nicht viel anfangen", sage ich und muss lachen. Nach einigem hin und her habe ich einen Platz gefunden und setze mich.

 

Neun Stationen und ca. 5 500 Meter Fußweg später habe ich dann die Uni erreicht. Wie es mir dort ergeht, dass sollen Inhalte weiterer Beiträge werden.

Bis bald

eure Carina

 

 

Carina am 31.3.17 14:36

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anja / Website (4.4.17 23:37)
Hallo Carina
Beim lesen der Geschichte fühlte ich mich gerade als würde ich selber durch den Kölner Hauptbahnhof laufen. Ich bin zwar Kölnerin , mag den Kölner Hauptbahnhof aber gar nicht , da finde ich den Düsseldorfer angenehmer .
liebe Grüsse AnjA

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