Inklusion - nicht für alle der richtige Weg!!!

Hallo!!!


Einige von euch haben vielleicht schon gehört, dass die EU sehr auf Inklusion in Schulen pocht. Behinderte sollen also auf ganz normale Regelschulen gehen können. Schließlich sind wir anders und doch GLEICH. Da können wir auch alle auf die gleiche Schule gehen und lernen, miteinander zu leben, einander zu akzeptieren.


Das ist an sich eine nette Idee. Aber ob das auch realistisch ist? Ich glaube nicht, denn wir sind eben alle auch ANDERS. Die einen mehr, die anderen weniger. Manche sind langsamer, brauchen mehr Hilfe oder Aufmerksamkeit, brauchen andere Bedingungen zum Lernen oder haben vielleicht auch ein ganz anderes Auffassungsvermögen als ihre Mitschüler. Um da jedem wirklich gerecht zu werden, brauchen die Lehrer gute Betreuer zur Unterstützung. Davon haben wir aber leider nicht besonders viele. Außerdem müssten die einzelnen Klassen wesentlich kleiner sein, um jedes Kind im Blick zu haben und unterstützen zu können. Weil das aber nicht überall so umgesetzt werden kann, sind viele Lehrer heillos überfordert und Schüler, die nun mal langsamer sind, haben das Nachsehen.


So will ich nicht lernen müssen. Ich bin eine gute Schülerin, ja, aber auch nur dann, wenn ich eine Chance habe.


Von Anfang an war es ein Kampf. Keine der Behörden glaubte, dass ich in die Schule gehen und dort etwas aus mir werden könnte, aber zum Glück herrscht ja Schulpflicht. Ich sollte in die nächste Förderschule gehen, die aber mit dem Auto eine Stunde entfernt lag. Also sollte ich unter der Woche im Internat bleiben. Na ja, das haben die sich so gedacht, aber da machten meine Eltern nicht mit. Ich meine: Hallo? Durch meine Beatmung brauchte ich ständige Überwachung. Sowieso brauchte ich damals schon bei jedem Pieps und jeder Bewegung Hilfe und die konnte mir kein überforderter Pfleger geben. Ist doch logisch, oder?


Meine Mutti sagte: „Na, dann kommen sie sich das Kind mal anschauen.“


Schließlich kam eine Vertreterin der Schule zu Besuch.


„Können Sie mir versichern, mir das Kind Ende der Woche immer lebend wiederbringen zu können?“


„Also wenn ich das jetzt hier so sehe, können wir das nun wirklich nicht verantworten.“, stotterte diese.


Ach nee… So weit waren wir auch schon.


Demnach ging nur noch Hausunterricht. Da die Schule wegen der Entfernung aber nicht jeden Tag die eigenen Lehrer zu mir schicken konnte, haben sie einfach Lehrer der Umgebung zu mir abgeordnet. Meine Lehrer arbeiteten dann also die paar Stunden bei mir sozusagen für meine Förderschule.


Und das war Ende der vierten Klasse meine Chance: Ich hatte nämlich eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium. Jetzt würde ich es denen da oben erst recht zeigen. Also wurden Gymnasiallehrer zu mir geschickt und ich wurde ganz normal gymnasial unterrichtet, obwohl ich theoretisch immer noch Schülerin der Förderschule war. Etwas unlogisch. Das hat man in Klasse 10 dann auch festgestellt, weil man merkte, dass ich auf der Förderschule kein Abitur machen kann.


Da hatte wohl jemand nicht mitgedacht. 


Nun, ich machte erstmal meinen Realschulabschluss, um dann offiziell ans Gymnasium zu wechseln. Für mich änderte sich eigentlich nichts. Ich wurde weiter zuhause unterrichtet und auch die Lehrer blieben dieselben. Weil es aber ein Schulwechsel war, musste ich laut irgendeinem Gesetz ein Jahr wiederholen. Da hatte ich keine andere Wahl. Und jetzt bin ich in der elften Klasse und übe ständig für die Prüfung, weil wir (meine Lehrer und ich) ja auch einen Nachteilsausgleich festlegen müssen.


Ich brauche nämlich alle Aufgaben und Hilfsmittel digital am Computer. Auf Papier, wo ich selbstständig absolut nix bearbeiten kann, nützt mir das herzlich wenig. Außerdem brauche ich mehr Zeit zum Schreiben und manchmal auch Pausen.


Genau deshalb könnte ich nicht ganz normal in einer großen Klasse unterrichtet werden. Früher habe ich manchmal meine Freunde im Gymnasium beim Unterricht besucht. Allerdings konnte ich dabei nichts mitschreiben, weil ich erstens durch den Computer die Tafel nicht gesehen hätte und zweitens sowieso zu langsam gewesen wäre. Fragen konnte ich auch nicht stellen, weil meine Stimme viel zu leise und undeutlich ist und sich jeder Lehrer erstmal daran gewöhnen muss, um mich einigermaßen zu verstehen.


Um also ordentlich lernen zu können, brauche ich immer eine Extrawurst. Wenn aber immer mehr Inklusion durchgesetzt wird, kann ich mir das leider nicht vorstellen. Ich wöllte auch keine ständig Rücksicht von Mitschülern, weil mir das bei meiner schweren Behinderung einfach zu weit gehen würde. Und selbst Betreuer für einfachere Fälle wie mich fehlen an allen Ecken und Kanten und die Lehrer schaffen das nicht alleine. Daraus folgt, dass Behinderte einfach untergehen würden. Das bringt uns nicht weiter, liebe Europäische Union. Zumindest glaube ich das.

Und was meint ihr? Schreibt es uns in die Kommentare!

 

Bis bald,

eure Rosalie  

 

Rosalie am 9.10.17 21:17

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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Schwedenlady / Website (10.10.17 07:18)
Liebe Rosalie,
der gleichen Meinung bin ich zum Thema Inklusion auch. Mein Sohn ist Autist und braucht ebenfalls Pausen, hat auch andere Begabungen. Während er mit 19 über die 100 beim Rechnen nicht hinaus kommt, liegt seine Begabung im Bereich Orientierung, öffentlicher Personenverkehr und bei der Arbeit am PC. "Sie brauchen mit ihrem Sohn kein Navi mehr", O-Ton ein Erzieher. Ich als blinde Mutter kann mit ihm überall hinfahren. Wenn ich sage, er soll sich die Pizzeria in Konstanz merken, ist sie gespeichert und er findet ein Jahr später wieder dort hin. Allerdings würde er in Mathe nur stören. Deshalb geht er in eine Außenklasse. Das Gebäude steht im Schulzentrum mit Realschule und Gymnasium. Unterrichtet werden die Schüler mit Behinderung dort. Es finden Projekte statt, bei denen die Schüler zusammenarbeiten. So bei der Computer- oder der Garten-AG, bei Sportaktivitäten usw. Diese Lösung halte ich für vertretbar. So kann auf ihn eingegangen werden, er auch sprachliche Förderung erhalten und stört aber auch nicht den Unterricht, z. B. in Mathematik.

Ich finde, es sollte für jeden das dabei sein, was auch passt. Und es sollte leicht sein, zwischen den Schulformen zu wechseln.

Dir wünsche ich viel Erfolg und alles Glück für die Zukunft.

Herzliche Grüße,

Schwedenlady


klara (10.10.17 09:15)
Liebe Rosalie,

vielen Dank für deinen spannenden Bericht! Ich sehe das Konzept "Inklusion" etwas anders und bin sehr dafür. Inklusion ist für mich echte Teilhabe an allen Bereichen der Gesellschaft. Sie bezieht sich nicht nur auf die Schule, sondern sollte dir ermöglichen, nach der Schule auch zu studieren und den Beruf zu ergreifen, den du dir aussuchst. Und inklusive Schule kann nicht einfach die jetzige Schule sein, in der Schüler*innen mit Behinderung einfach auch noch beschult werden. Die aktuelle Klassengröße und das System bereitet sowieso vielen Schüler*innen Schwierigkeiten und führt zu einem ungerechten Bildungssystem - immer noch entscheidet z. B. der Geldbeutel der Eltern übder den Schulverlauf der Kinder. Das ist keine Inklusion!

Aber warum nicht darüber nachdenken, was du in einer Schule brauchst und ob das geht? Und dabei meine ich nicht, ein Internat in 100km Entfernung!!! Das hat mit Inklusion natürlich nichts zu tun! Aber wenn die Schule bei dir vor Ort genau die Dinge beläme, die du brauchst - würdest du nicht auch dort beschult werden wollen?! Und ich meine das nicht als "Extrawurst" sondern als Verwirklichung deines Menschenrechts auf Bildung - Alle Menschen haben eine unantastbare Würde und Rechte. Ich sehe Inklusion als ein Konzept, diese Würde für Menschen mit Beeinträchtigungen auch mit Leben zu füllen.

Und das ganze ist keine Frage der EU, sondern ein weltweites Konzept: https://www.behindertenbeauftragter.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschuere_UNKonvention_KK.pdf?__blob=publicationFile

Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg und weiter viel Energie und Kampfgeist!
Liebe Grüße
Klara


Rosalie (10.10.17 19:24)
Vielen Dank für eure lieben Kommentare, Schwedenlady und Klara!

Liebe Klara,
die Idee der Inklusion find ich auch gut, keine Frage. Zurzeit ist es nur noch nicht sehr realitätsnah und wenn eben etwas nicht funktioniert, weil die Mittel oder die Arbeitskräfte fehlen, kann man das nicht einfach durchdrücken. Da kommt nix Gutes dabei raus.
Und manche brauchen vielleicht tatsächlich die Förderschule.
Aber ok, das ist meine Meinung und du hast halt eine andere.
Liebe Grüße von Rosalie


Schwedenlady / Website (18.10.17 21:52)
Liebe Klara, um Deinem Wunsch gerecht zu werden, muss aber auch ein Umdenken bei den Politikern weltweit in alle Köpfe.
Theoretisch muss jede Schule so für jedwede Behinderung konzipiert werden, es könnte in 10 Jahren ein Blinder auftauchen, in 11 ein Rollstuhlfahrer, in 12 ein Autist... So lang aber Geld in Rüstung gepumpt wird und das "besser" zu sein scheint, Banken "gerettet" werden usw., sehe ich schwarz. Das muss aber gemacht werden, jede Minischule behindertengerecht auszubauen, um das weltweit zu verwirklichen. Sag das auch mal jemandem in der dritten Welt. Übrigens, es sind noch immer die gleichen Länder, für die wir schon 1978 gespendet haben, zumindest fast die gleichen. So lang keiner gewillt ist, bei scheinbar lukrativen Ausgaben (Rüstungskonzerne sind ja ach so arm und notleidend und Banken erst!) zu kappen, sehe ich schwarz. Um Inklusion wirklich vorzunehmen, und zwar in wohlgemerkt allen Bereichen, muss von Grund auf umgedacht werden. Wollen das die oberen 10000 und die Lobbyisten?

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