Wie ich blind durch die Welt gehe

Vor kurzem habe ich einen neuen Blindenstock bekommen. Aber wozu brauche ich den eigentlich? Und wie bewege ich mich eigentlich draußen? Ich möchte diesen Anlass nutzen, um euch meine mobilitätstechnischen Tricks und Hilfen etwas näher zu bringen.

Es ist Mittwochnachmittag und ich muss nach Heidelberg zu einem Termin – konkret bedeutet das: Erst zu Fuß, dann mit dem Bus, dann mit der Straßenbahn und dann nochmal ein kurzer Fußweg. Da liegt ein ganzes Stück Weg vor mir – Seid ihr bereit? Na, dann lasst uns losgehen!

Zunächst geht es einmal durch den ganzen Ort. Hier komme ich an verschiedenen kleineren Geschäften sowie am Wochenmarkt vorbei. Plötzlich blockiert ein Verkaufsschild mir den Weg. Ich muss außen rumlaufen, um meinen Weg fortsetzen zu können. Solche Situationen begegnen mir immer wieder – und das bezieht sich nicht nur auf Verkaufsschilder. Auch manche Autofahrer parken einfach auf dem Gehweg (auch wenn man das eigentlich nicht sollte). All diese Dinge lassen sich unter einer ganz zentralen Problematik zusammenfassen: Blinde Menschen sehen eventuelle Hindernisse nicht. Doch es gibt eine Lösung für dieses Problem: Den Blindenstock. Am einen Ende befindet sich eine Kugel. Wenn ich mit dem Blindenstock unterwegs bin, befindet sich diese Kugel auf dem Boden. Um meine Umgebung erfassen zu können, bewege ich den Blindenstock im Rhythmus zu den Schritten hin und her. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich unorganisiert damit herumfuchtele. Die Kugel bleibt immer auf dem Boden und ich bewege den Blindenstock nur etwa schulterbreit hin und her. So merke ich genau an den Stellen, an denen ich wirklich bin, ob ein Hindernis voraus ist. Damit sich die Kugel gleichmäßig abnutzt, dreht sie sich mit der Bewegung des Blindenstocks. Wenn ich meinen Stock zuverlässig hin- und herbewege, entgeht mir fast nichts.

 

Habe ich das im Weg stehende Verkaufsschild hinter mir gelassen, bin ich schon bald an der Bushaltestelle angelangt. Nun heißt es: Den richtigen Bus nehmen. So ganz grob weiß ich bescheid: Was für Buslinien hier halten, welche davon wohin fährt und so weiter. Normalerweise müsste ich an dieser Stelle den Fahrer fragen, welcher Bus da vor mir steht, aber in diesem Fall habe ich Glück, denn ich kann alle Busse nehmen, die kommen. Dennoch stelle ich mich ganz vorne an die Haltestelle und stelle meinen Blindenstock vor mich. Das ist sehr wichtig, denn der Blindenstock ist nicht nur eine Hilfe für mich, sondern auch ein Erkennungszeichen für andere. Er macht darauf aufmerksam, dass ich nichts sehe und die Menschen um mich herum Rücksicht auf mich nehmen sollen. Das funktioniert auch: So kriege ich in der Straßenbahn zum Beispiel häufig direkt einen Sitzplatz angeboten. Klar könnte ich auch stehen, aber die Bahn ist meistens so voll, dass ohnehin überall Leute stehen, da bin ich ganz froh, wenn ich aus dem Trubel raus bin. In der Regel ist Bahnfahren recht entspannt. Wie sicher auch einige von euch sehenden schon gemerkt haben, gibt es in der Regel Haltestellenansagen – die Betonung liegt auf „in der Regel“. Manchmal fallen diese Ansagen leider aus. Klar kann man nachfragen, wo man sich gerade befindet, dennoch ist es ziemlich nervig, wenn man genau weiß, dass man es eigentlich selbst managen könnte. Gerade in fremder Umgebung ist eine fehlende Ansage nicht wirklich optimal, wie man sicher nachvollziehen kann. Zwar komme ich in meiner Heimatstadt Karlsruhe zumindest auf den Strecken, die ich immer wieder fahre, ohne Ansage klar – aber nach 16 Jahren kenne ich da auch jede Kurve. Wenn dann alles gut läuft und die Ansage vorhanden ist, komme ich irgendwann in Heidelberg an der Haltestelle an. Ich steige aus der Bahn aus – und muss erstmal die Straße überqueren.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vielleicht, wie das gehen soll – aber keine Sorge: Hier gibt es eine Blindenampel. Wenn ihr irgendwo mal ein regelmäßiges Klicken an einer Straße oder einer Haltestelle hört, kann es gut sein, dass es von einer Blindenampel stammt. Der Trick dabei ist: Neben einem ganz normalen Knopf für Sehende gibt es etwas versteckt einen speziellen Knopf für Blinde. Hier gibt es Pfeile, die in die entsprechende Richtung zeigen, auf die man drücken kann. Wenn die Ampel grün wird, piepst diese oder, falls dies nicht der Fall ist, vibriert der Pfeil bzw. Blindenknopf. Häufig passiert sogar beides. Wenn man eine Straße überqueren muss, es aber keine Blindenampel gibt, gibt es dafür auch einen Trick: Man wartet einfach, bis die Ampel rot wird und der Querverkehr vorbeifährt, und wenn man dann den Parallelverkehr wieder anfahren hört, läuft man einfach mit über die Straße. Der Rest meines Weges ist nicht schwer und für mich problemlos zu finden. Hätte ich den Weg nicht gewusst, hätte mir mein iPhone assistiert. Über die Spracherkennung Siri, die auch sehende iPhone-Nutzer kennen, hätte ich die Navigation über die Apple-Karten aufgerufen. Beispiel: „Navigiere mich zu …“ oder „führe mich nach …“. Siri öffnet automatisch die Apple-Karten und navigiert mich via Sprachausgabe zum Ziel. Man glaubt es nicht, aber es funktioniert. Natürlich ist die Navigations-App nur eine Ergänzung und man sollte sich niemals vollkommen auf diese verlassen, denn es soll schon Menschen gegeben haben, die mit dem Auto in den Rhein gefahren sind, weil sie zu sehr auf die Navigations-App vertraut haben, aber gerade bei fremden Wegen ist das für blinde eine tolle Ergänzung. Es gibt auch spezielle Navigations-Apps wie Blindsquare (gibt in erster Linie über Geschäfte am Straßenrand, Bus- und Bahnhaltestellen, Querstraßen etc. Auskunft) oder ViaOpta Nav (spezielle Fußgängernavigation), doch egal was man benutzt, das Wichtigste ist das richtige Verhalten sowie die Grundtechniken als blinde Person in der öffentlichen Welt – und dafür ist der Blindenstock zwingend erforderlich.

So, ich bin in Heidelberg fertig. Jetzt geht es zurück – aber: Die Straßenbahnen hören sich ja alle gleich an! Keine Sorge: Auch hierfür gibt es eine App. Viele Verkehrsverbünde integrieren die Echtzeit-Auskunft in ihre Apps. Die Echtzeit-Auskunft ist das, was man auf den Anzeigetafeln an den Haltestellen sieht. Über die Ortungsfunktion erkennt die App des entsprechenden Verkehrsverbundes, wo man sich gerade befindet. Dank der Sprachausgabe des Handys bekommt man die Inhalte der Echtzeit-Auskunft in der App vorgelesen – und kann damit gleichberechtigt wie sehende Personen an der Haltestelle sehen, wann die richtige Bahn kommt. Nachteil an der Technologie bzw. vor allem an der allgemeinen Arbeit mit dem Handy ist die Tatsache, dass man seine Außenwelt durch das Navigieren auf dem Display und die Geräusche der Sprachausgabe nicht mehr mitkriegt. Daher nutze ich persönlich diese Möglichkeit nicht mehr so oft wie früher. In Heidelberg brauche ich das auch gar nicht mehr: Ich erkenne die richtige Straßenbahn am Geräusch, obwohl es sich dabei größtenteils um sehr ähnliche oder sogar gleiche Fahrzeugtypen handelt. In Mannheim oder Karlsruhe hingegen ist das nicht so einfach. Alle Bahnen hören sich gleich an, und deshalb muss ich immer nachfragen. Eigentlich lernen alle Fahrer in der Ausbildung, dass sie, wenn sie eine blinde Person an der Haltestelle sehen, die Liniennummer ihrer Bahn über das Außenmikrofon durchsagen sollen, aber das tut leider keiner. Die beste Möglichkeit ist also immer noch, nachzufragen. Ach, wo wir bei nachfragen und Hilfe sind: Immer wieder werde ich von sehenden angesprochen und gefragt, ob sie mir helfen können. Das ist zwar nett gemeint, allerdings ist einem Blinden damit in der Regel eher wenig geholfen. Viel mehr verwirrt man ihn dadurch, weil er sich vor lauter Reden nicht mehr konzentrieren kann und dadurch möglicherweise wichtige Dinge seines Weges nicht wahrnimmt. Die beste Hilfe seid ihr sehenden, wenn ihr die blinde Person nicht selbst anspricht, aber offen reagiert, wenn sie auf euch zukommt.

Auf dem Rückweg von meinem Termin mache ich noch einen Abstecher zum Supermarkt, da ich noch einen Adventskalender für dieses Jahr brauche – für blinde Menschen ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Zwar gibt es sogenannte Barcode-Leser, die die Barcodes auf Verpackungen auslesen und einem per Sprachausgabe ansagen, was in der Packung drin ist, wie viel davon, was es kostet, von welcher Firma es kommt usw. Sowas findet man ebenfalls als App fürs Handy, ist also super zugänglich – aber es ist ziemlich aufwendig, alle Lebensmittel einzeln zu scannen, da hat man schneller nachgefragt, vor allem, wenn man an dem Regal ankommt, wo sonst immer die Weihnachtssachen stehen und da plötzlich was ganz anderes steht. Jeder von euch kennt das sicher: Man sucht etwas, muss aber erstmal durch den halben Laden laufen, weil schon wieder umgebaut wurde – für Blinde logischerweise ein ziemliches Problem. Ein Grund, warum viele Blinde sich ihren Einkauf online bestellen und nach Hause liefern lassen und gar nicht mehr in den Supermarkt gehen. Tatsächlich bleiben einem Blinden dort tatsächlich nur zwei wirklich effektive Möglichkeiten: Entweder mit einer sehenden Begleitperson gemeinsam gehen oder einen anderen Kunden oder Verkäufer im Supermarkt fragen, obwohl zweiteres auch schon wieder eine große Vertrauenssache ist, weil man fremden Menschen sagen muss, was man will und sich darauf verlassen muss, dass man dann auch genau das kriegt und nicht irgendwas anderes, denn man kann es ja nicht nachprüfen. Einkaufen imSupermarkt alleine ist sehr schwer möglich, und wenn man es doch alleine wagt, muss man viel Zeit einplanen. Da kann ich sogar sagen, dass die Regel „warte, ab bis die blinde Person dich anspricht und spreche sie nicht selber an“ in diesem Fall außer Kraft gesetzt werden sollte …

Der Rest des Weges ist nicht schwer. Noch einmal über eine Blindenampel, dann bin ich am Ziel. Dank meines Blindenstocks, Hilfen wie Blindenampeln und Blindenleitsystemen und einigen Tricks konnte ich komplett alleine mit Bus und Bahn nach Heidelberg fahren, dort meinen Termin wahrnehmen und am Ende sogar noch mit etwas Hilfe von anderen Kunden im Supermarkt einkaufen. Blind weitgehend unabhängig und selbstständig von sehenden zu sein, ist durchaus möglich – man muss nur wissen, wie

 Anmerkung der Redaktion:

Dieser Text erschien bereits vorher auf

www.kerspet.de . Wir danken der Autorin für die Erlaubnis, diesen Text auch hier veröffentlichen zu dürfen.  

Kerstin am 15.10.18 21:02, kommentieren

Unglaublich, aber wahr!

Wie ihr sehen könnt, bin ich schwerstbehindert. Ich weiß das und es ist okay. Das ist mein Leben.


Heute möchte ich euch aber zwei schockierende Fakten erzählen. Es ist unglaublich, aber ich habe echte Freunde. Puh, erstmal tief durchatmen! Die zweite Sache ist, dass meine besten Freunde total gesund sind. Ja, es ist wahr und nein, ich bezahle sie nicht. Ich weiß auch nicht, wie das möglich ist. Immerhin sabbere ich unaufhörlich, spreche undeutlich wie ein Betrunkener und habe oft schweißnasse Hände. Vielleicht sehen sie darin einfach eine gute Chance, etwas für ihr Karma zu tun.


Aber das Traurigste ist, dass einige von euch vielleicht nicht einmal die Ironie und den Sarkasmus in diesen Sätzen verstehen.


Wenn Leute von mir hören, denken sie meistens: "Oh, armes Kind! Hoffentlich hat sie gute Freunde.“ Liebe Leute, ich möchte euch jetzt mal was sagen.


Erstens: Nur weil ich behindert bin, habe ich nicht automatisch keine richtigen oder nur behinderte Freunde. Ich kann auch entscheiden, ob ich jemanden mag oder nicht. Total normal! Das "arme Kind" bettelt nicht verzweifelt nach Freunden ... Manchmal passt es und manchmal nicht, aber das hängt nicht von der Behinderung ab. Es kommt auf den Charakter, Gemeinsamkeiten und den Zusammenhalt an. Zudem ist es in meinem Fall schwer, überhaupt jemanden zu finden, der die gleiche Krankheit hat. Das kann also nicht der Hauptpunkt sein. Außerdem bin ich mit gesunden Kindern aufgewachsen. Sie kennen mich seit der Grundschule. Sicher; ich bin nicht so ganz wie sie, aber das macht nichts, weil sie mich wie eine von ihnen behandeln. Und zum Glück sind sie ja auch nicht alle gleich. Das wäre sonst wirklich langweilig.


Zweitens: Meine Freunde sagen nicht zu anderen Menschen: "Das ist meine arme behinderte Freundin." Sie sagen einfach: "Das ist meine Freundin." Sie bemitleiden mich nicht. Sie sehen nicht meine Behinderung. Sie sehen MICH. Sie verstehen mich und helfen mir und ich kann sie auch unterstützen. Unsere Freundschaft ist keine Einbahnstraße. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir reden, streiten, lachen und weinen zusammen. Meine Behinderung spielt da keine Rolle.


Ich hoffe wirklich, dass behinderte Menschen in Zukunft irgendwann einfach "normale" Menschen sein werden, Menschen, die nicht mitleidig behandelt werden oder herablassende Blicke bekommen. Leute, die echte Freunde haben. Menschen, die nicht ignoriert werden. Seid bitte ein Teil dieses Wandels in eine offene herzliche Welt. Bitte unterscheidet nicht zwischen "normalen" und behinderten Personen. Bitte seid ein bisschen wie meine Freunde.


 


1 Kommentar Rosalie am 4.8.18 21:13, kommentieren

Der Youtube-Kanal "Miss Vanny" stellt sich vor

Hi,

Ich bin die Vanny, bin zarte 27 Jahre alt und YouTuberin. Ich habe seit meiner Geburt eine Sehbehinderung und bin mittlerweile gesetzlich blind. Zurzeit befinde ich mich in der heißen Abschlussphase meines Bachelor-Studiengangs: Erziehungs- und Bildungswissenschaften.

Außer meiner Leidenschaft für Youtube treffe ich mich in meiner Freizeit mit meinen Freunden, gehe gerne Shoppen und betreibe regelmäßig Kraftsport im Fitnessstudio.

 

Wie ich zu Youtube gekommen bin

Meinen Kanal habe ich mir 2011 erstellt. Erst nur, weil  ich Videos von anderen YouTubern gerne kommentieren wollte und man damals dazu einen Account, und somit auch einen Youtube-Kanal, brauchte. Nach einer Zeit habe ich dann auch angefangen, Videos zu produzieren und diese dann auch online zu stellen. Nach einer Pause zu Beginn meines Studiums, in der ich keine Videos produziert habe, habe ich nach und nach wieder mit dem Drehen angefangen und bin nun seit knapp zwei Jahren wieder regelmäßig dabei. 

 

Warum Youtube?

Warum ich mich für Youtube entschieden habe ist relativ leicht zu beantworten. Ich schaue sehr gerne Videos auf Youtube und verfolge ab und zu einige Blogs. Ich dachte mir irgendwann, dass mir das nicht mehr reicht und ich so etwas doch auch machen könnte. Da ich nicht so gut im Schreiben von Texten bin, ich dafür aber umso besser reden kann, war für mich klar, das ich es mal mit einem Youtube-Kanal versuchen möchte. Auch der Aspekt der Kreativität, die man beim drehen und in der Nachbearbeitung von Videos hat, war und ist bis heute ein Anreiz für die Videoplattform.

 

Worum geht's in meinen Videos?

Auf meinem Kanal geht es um die Themen Blindheit, wie Lebe ich mit meiner Seheinschränkung und um Beauty, Fashion und Lifestyle, immer mit dem Aspekt meiner Seheinschränkung gekoppelt. Ich möchte meinen Zuschauern und Zuschauerinnen somit nicht nur die Angst vor dem Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen nehmen, sondern auch zeigen, das ich mich trotz oder grade wegen meiner Einschränkung auch für ganz typische Dinge interessiere. Ich möchte mit meinen Videos zeigen, was trotz meiner visuellen Einschränkung alles möglich ist, dass ich ein ganz normales Leben lebe, trotz meiner Behinderung. 

 

Wie erstelle ich meine Videos?

Meine Videos drehe ich mit dem Iphone, da ich noch keine Kamera gefunden habe, bei der ich sage: "genau di is' es!" (zwecks Bedienbarkeit). Meine Videos schneide ich zurzeit noch auf dem IPad, da es für mich so recht unkompliziert und einfach ist. Als Schnittprogramm verwende ich übrigens IMovie.

 

Wie erfolgreich bin ich eigentlich?

Mit anderen YouTubern, die dieselben Formate zeigen, wie sie auf meinem Channel zu finden sind, kann ich noch nicht mithalten, von der Abonnentenanzahl her. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass jetzt bereits fast 300 Menschen meinen Kanal abonniert haben. Das zeigt mir einfach jedes Mal aufs Neue, dass das was ich mache interessant und wichtig ist.

 

Wo findet man mich?

Außer auf Youtube findet man mich noch auf Facebook und auch bei Instagram. Auf Instagram bin ich sehr aktiv, da ich hier auch meiner Kreativität beim Fotografieren und Bearbeiten der Fotos freien Lauf lassen kann und ich mich auch hier richtig ausleben kann. Des Weiteren finde ich die Kommunikation zwischen mir und meinen Followern über Facebook und Instagram toll, da diese sehr Zeitnah geschieht. Ich kann sehen wer mit meinen Beiträgen wie agiert und kann auf diese Aktion wiederum selber schnell, einfach und unkompliziert reagieren und das finde ich so schön. Zudem gibt es meinen Followern die Gelegenheit mich so etwas besser kennen zu lernen.

 

Welche Kanäle schaue ich auf Youtube selbst gerne?

Ich verfolge selber auch eine Menge anderer Kanäle auf der Videoplattform. Auf Grund der Authentizität kann ich unter Anderem den Kanal Snukiful empfehlen. Sie ist eine großartige Youtuberin und trotz ihrer Reichweite immer noch total bodenständig geblieben. Das ist etwas, was sie neben ihrer tollen Art, total sympathisch macht.

 

Wenn ihr nun Lust bekommen habt, mich auf meinem Kanal zu besuchen oder mir bei Facebook oder Instagram folgen möchtet, seit ihr herzlich eingeladen auf die Links zu meinen Seiten zu klicken.

Ich freue mich über jeden neuen Besucher und Abonnent, sowohl auf Youtube als auch auf Facebook oder Instagram.

 

Youtube:

 https://www.youtube.com/user/PeachiiPrincess

Facebook:

 https://de-de.facebook.com/Miss-Vanny-1842551095983719/

Instagram:

 https://www.instagram.com/missvannyofficial/

Vanny am 12.5.18 10:15, kommentieren

Sprich mit mir

Heute möchte ich euch von einer Situation erzählen, die für viele Menschen mit Behinderung fast alltäglich ist. Mir ist das gestern seit langem mal wieder passiert und es hat mich noch lange beschäftigt. Deshalb möchte ich darüber schreiben, wie es sich anfühlt, nicht persönlich angesprochen zu werden.

 

Gestern war ich im Nagelstudio. Ich hatte eine fünfstündige Klausur hinter mir und war müde, aber draußen schien die Sonne, ich hatte die Abiklausur erfolgreich hinter mich gebracht und so beschlossen meine beste Freundin und ich, uns mit neuen Nägeln zu belohnen. Lila sollten sie sein, und lang. Das hatte ich schon einmal gemacht und fühlte mich super damit.

In der Stadt war es relativ voll, also führte mich meine Freundin, die noch etwas sehen kann. Meinen Blindenstock hatte ich trotzdem ausgeklappt.

Wir gingen also ins Nagelstudio, es waren gerade keine Kunden da, also durften wir uns direkt hinsetzen. Meine Freundin zeigte mir, wo ich sitzen konnte, ich faltete meinen Stock zusammen und verstaute ihn in meiner Handtasche. Echt praktisch, diese Faltstöcke.

Es dauerte nicht lange, bis eine der beiden Frauen zu mir kam. "Welche Farbe?", fragte sie. "Ich hätte gern so ein helles Lila.", antwortete ich. Doch dann realisierte ich, dass sie gar nicht mehr in meine Richtung schaute, sondern zu meiner Freundin, die sich bereits eine Farbe ausgesucht hatte. "Sie kann das auch selbst entscheiden.", sagte sie. Ich lächelte der Frau ermutigend zu. "Sie können mich ruhig selbst fragen. Alles gut. Wie gesagt, ich hätte gern ein helles Lila." Aber die Frau reagierte nicht. Stattdessen ging sie zu meiner Freundin und zeigte ihr scheinbar die verschiedenen Lilatöne, die sie auf Lager hatte. Okay, dachte ich, vielleicht will sie sich nur absichern, sie wird schon das richtige für mich aussuchen. Meine Freundin zeigte ihr die Farbe, für die ich mich schon beim letzten Mal entschieden hatte. Ich nickte zustimmend und dachte, dann sei die Sache ja geklärt.

Die Frau begann mit ihrer Arbeit, brachte meine Hände in die richtige Position und schnitt meine Nägel, weiter, ohne mit mir zu sprechen. Das störte mich nicht wirklich, ich bin sowieso nicht der gesprächige Typ. Doch dann ging es um die Länge der künstlichen Nägel. "Wie lang sollen sie denn sein?", fragte die Frau und diesmal nahm ich bereits wahr, dass sie wieder nicht in meine Richtung sprach. "Ungefähr so.", erwiderte ich trotzdem sehr deutlich, aber weiterhin freundlich, und zeigte ihr mit den Fingern, welche Länge ich mir wünschte. Aber sie ignorierte mich und schaute weiter meine Freundin an. "Wie gesagt, sie kann das selbst am besten entscheiden.", sagte sie erneut. Die Frau drehte sich wieder zu mir und fuhr mit ihrer Arbeit fort. Ich lächelte noch immer, aber es fiel mir schon etwas schwerer.

Ich kenne solche Situationen bereits, besonders von Ärzten ("Was fehlt ihr denn?" oder in Restaurants ("Was möchte sie?". Zuletzt passierte das vor einem Jahr, als die Kieferchirurgin meinen Vater fragte, wie alt denn "die Maus" sei. Ich sagte dann aber schnell, dass ich 17 bin, und die Sache hatte sich. Nun aber schien es nicht zu helfen, dass ich einfach selbst sprach. Ich wurde trotzdem übergangen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, woran es liegt, dass man als blinder Mensch von vielen Personen scheinbar als unmündig wahrgenommen wird. Bei einigen fehlt vielleicht die Mimik, auch ich kann keinen Blickkontakt halten, versuche aber immer, die Person beim sprechen anzuschauen. Ist es vielleicht die naive Annahme, ich könnte als Mensch mit fehlendem Sehsinn nicht selbst über mein Aussehen entscheiden? Aber warum passiert das auch Rollstuhlfahrer_innen? Ist es die Unsicherheit? Oder tatsächlich einfach Ignoranz?

Wenn ich allein unterwegs bin, passiert es mir kaum bis gar nicht, dass ich übergangen werde. Vielleicht wirkt man dadurch sicherer, oder die Personen sehen einfach keine andere Alternative. Deshalb nehme ich Termine mittlerweile lieber alleine wahr, wenn es möglich ist. Aber manchmal möchte man einfach etwas schönes mit Freunden oder der Familie unternehmen - und trotzdem als vollwertige, für sich selbst einstehende Person wahrgenommen und dementsprechend behandelt werden.

Und deshalb: Sprecht mit uns. Ja, ihr dürft unsicher sein, ihr dürft Fragen stellen, ihr dürft auch Fehler machen. Alles cool. Aber ignoriert und wie jemand behandelt zu werden, der/die keine eigenen Entscheidungen treffen und nicht für sich selbst sprechen kann, tut weh und macht wütend. Ich bin in solchen Situationen immer freundlich und geduldig, aber auch ich habe mal einen schlechten Tag, Und an solchen Tagen beschäftigt mich so etwas besonders.

 

Anmerkung der Redaktion:

Dieser Text erschien zuvor auf www.durchreisetagebuch.wordpress.com,

dem eigenen Blog von Marie.  

2 Kommentare Marie am 11.5.18 20:18, kommentieren

Einen Regenbogen sehen

Es war ein wunderschöner Sommertag. Die Sonne schien schon den ganzen Tag fröhlich auf uns herab und nur ab und zu wehte eine kleine Brise. Gut gelaunt ging ich mit einer kleinen Gruppe 12 bis 14-Jähriger spazieren. Plötzlich sah ich in der Ferne ein buntes Band am Himmel leuchten. Ich blieb stehen und rief begeistert: „Schaut mal, ein Regenbogen!“

Doch die Anderen waren ohne mich weitergelaufen und hielten nun verwundert inne. Elias, ein etwas älterer Junge, lachte freudlos. „Hahaha! Ja, mach dich ruhig lustig über uns!“ Oh, verdammt! Wie hatte ich nur vergessen können, dass sie alle blind waren?! Da war ich ja eine tolle Praktikantin im Blindeninternat! Was stand nochmal in meiner Bewerbung? „Immer einfühlsam und äußerst taktvoll.“ Tja, hiermit hatte ich das Gegenteil bewiesen. „Aber ich... das war doch… gar nicht… so gemeint!“, stotterte ich wenig überzeugend. Nun wurde ich auch noch rot wie eine Tomate. Zum Glück konnten sie das nicht sehen. Moment mal… Freute ich mich etwa schon über ihre Blindheit? Jetzt reichte es! ‚Sylvie, ich verbiete dir, so etwas auch nur zu denken‘, befahl ich mir mit zusammengebissenen Zähnen.

Als ich wieder den Kopf hob, fragte mich die kleine Nina leise: „Wie sieht denn ein Regenbogen aus?“ Na ja, wie nun mal ein Regenbogen aussah. Ich überlegte: „Also, wenn keine Wolken davor sind, ist es eine Art riesiger Halbkreis am Himmel. Er besteht aus sechs verschiedenen leuchtenden Farben. Die erste Farbe ganz oben ist rot.“

Wie beschreibt man jemandem, der noch nie sehen konnte, die Farbe Rot?! Geht das überhaupt mit den restlichen vier Sinnen? Hören, fühlen, schmecken, riechen. Vielleicht auch mit einigen Gefühlen?

„Rot ist die Farbe der Liebe. Sie duftet wunderbar sanft wie eine Rose, die in liebevoller Zärtlichkeit geschenkt wurde, und schmeckt herrlich süß nach Sommer wie eine reife Erdbeere oder Kirsche. Doch Rot ist auch die Farbe der Wut. So unglaublich heiß wie ein gewaltiges knisterndes Feuer, aber auch so dumpf wie das Rauschen in euren Ohren, wenn euch etwas total aufregt.“ Vorsichtig linste ich zu den Anderen hinüber. Kein gelangweiltes oder fragendes Gesicht. Vielmehr schienen sie neugierig und abwartend. Anscheinend war meine Beschreibung gar nicht schlecht.

„Orange kommt als Nächstes darunter. Es ist eine sehr freundliche Farbe. Sie erinnert an eine leckere saftige Apfelsine und an den kräftig aromatischen Duft einer Mandarine. Erfrischend, als ob man sich spätabends bei einem wunderschönen Sonnenuntergang draußen auf einer Bank ausruhen würde. Doch auch so lebendig wie ein Goldfisch, der fröhlich in seinem Aquarium vor sich hin blubbert.“ Hoffentlich konnten sie damit überhaupt etwas anfangen. Etwas Einfacheres war mir allerdings so auf die Schnelle nicht eingefallen.

„Darauf folgt Gelb. Es ist die Farbe der Fröhlichkeit und des Lichts. Wie die ersten Sonnenstrahlen am Morgen, die euch an der Nase kitzeln, und fruchtig süßlich duftende Pfirsiche im Spätsommer. So unglaublich sauer, aber auch belebend wie eine reife Zitrone. Außerdem ist sie so seidig wie die wehenden Ähren auf dem Feld und hört sich an wie das lustige Quietschen von einem kleinen Quietscheentchen in der Badewanne.“ Ich kniff die Lippen zusammen, als ein leises Kichern ertönte. Also echt jetzt! Der Vergleich war doch wirklich originell und schlau gewesen. Darauf kam nicht jeder. Apropos schlau… „Gelb symbolisiert aber auch Intelligenz. Daher kommt auch die Redewendung, dass einem ein Licht aufgeht. Die meisten denken dann an eine aufleuchtende Glühbirne. Ja, ähm… falls ihr sowas kennt.“ Ganz ruhig! Einfach tief durchatmen und weitermachen.

„Grün ist die nächste Farbe. Sie schmeckt nach würzigen Kräutern, wie zum Beispiel Salbei oder Rosmarin. Zudem riecht sie frisch wie der Frühling, wenn die ganze Welt wieder neu zum Leben erwacht. Außerdem fühlt sie sich so seidig weich an wie das erste Gras nach einem langen Winter und klingt wie das Rascheln der Blätter an einem stürmischen Frühlingstag. Überhaupt ist fast alles in der Natur grün. Auch die Tannennadel. Weil die das einzig lebendig Grüne im Winter sind, ist sie die Farbe der Hoffnung. Aber sie steht gleichzeitig für Glück, denn ein vierblättriges Glückskleeblatt ist ebenfalls schön grün.“ Na, das hatte doch ganz gut geklappt. Weiter so!

„Als Nächstes folgt Blau. So lecker süß wie frisch gepflückte Blaubeeren aus dem Wald und sanft wie der ruhige Duft von zarten Veilchen. Für mich symbolisiert diese Farbe Freiheit, weil sie weit wie der unendliche wolkenlose Himmel ist. Außerdem ist sie so kühl, als ob Meereswasser am Strand eure Füße umspülen würde und klingt nach wildem Wellenrauschen bei einem starken Sturm. Doch Blau kann auch sehr ruhig und entspannend wie eine sich nur leicht kräuselnde Wasseroberfläche sein.“  Langsam kam ich richtig in Fahrt! Das war auch gut so, denn die letzte Farbe würde bestimmt nicht einfach werden.

„Als Letztes kommt Violett. Wie entspannender Lavendelduft und wunderbar süße Pflaumen. Diese Farbe ist eine Mischung aus Rot und Blau. Wie die Wolken am Morgen, wenn die Luft zwar von der Nacht noch kühl ist, aber schon von den ersten Sonnenstrahlen gewärmt wird. Im Alltag nennt man sie auch Lila. Viele Leute finden sie sehr modern und cool wie eine laut platzende Kaugummiblase.“ Eigentlich hatte ich noch nie einen lilafarbenen Kaugummi gesehen, aber darunter konnten sie sich wenigstens etwas vorstellen.

„All diese Farben zusammen sind ein Regenbogen. Ich mag ihn ganz besonders, weil er so wunderschön vielfältig und bunt wie das Leben ist.“ Es entstand eine lange Pause, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Irgendwann tastete Nina, die nun direkt hinter mich getreten war, vorsichtig nach meiner Hand. Mit leiser zerbrechlicher Stimme flüsterte sie: „Danke, Sylvie! Jetzt können wir den Regenbogen tatsächlich sehen.“ Und so standen wir noch sehr lange. Mit geschlossenen Augen und einem glücklichen Lächeln auf jedem der strahlenden Gesichter. Denn obwohl der Regenbogen am Himmel schon längst verblasst war, leuchtete er in unseren Herzen stärker als je zuvor.

1 Kommentar Rosalie Renner am 4.3.18 16:51, kommentieren