"Kultur im Dunkeln" - Action in der Finsternis

Hallo,

Heute möchte ich eine interessante Veranstaltungsreihe an unserer Schule vorstellen, die insbesondere sehenden einen Einblick in die Welt blinder Menschen geben soll.

 

Nach einer Projektwoche im Jahr 2005, bei der Lehrer und Schüler der Schloss-Schule ein Dunkel-Café veranstalteten, wurde noch im selben Jahr eine Arbeitsgemeinschaft (AG) gegründet, deren Teilnehmer bis heute sehende Gäste ins Dunkle führen. Inzwischen sind zwölf Jahre vergangen und wir durften tolle Abende erleben, von Konzerten und Theateraufführungen über Kunstkurse, Talentabende, Lesungen und Ausstellungen bis hin zu Überraschungsmenüs und Weinproben, das heißt auch zwölf Jahre Wachstum, Spannung und Faszination. Es entwickelten sich Kooperationen mit Enjoy Jazz, dem Atlantiskino in Mannheim, der Alten Feuerwache Mannheim und dem SWR. Zu Beginn wagte man sich nur mit einem Schüler an den Start, mittlerweile sind über zehn Kinder und Jugendliche dabei. Ohne die Schüler wäre die AG heute nicht vorstell- und durchführbar.

 

Inzwischen finden im "Schwarzen Salon" regelmäßig Veranstaltungen statt. Dieser hat seinen Namen daher, dass er sich von September bis März für einen Abend im Monat in eine dunkle Bühne für Künstlerinnen und Künstler, die von außerhalb der Schule kommen und einmal im Stockdunkeln auftreten möchten, verwandelt. So waren in der vergangenen Saison verschiedene Musikgruppen, aber auch "Fabulust" mit einem Märchen und das Improvisationstheater "Drama Light" zu Gast. Doch nicht nur für die Künstlerinnen und Künstler ist die Dunkelheit eine Herausforderung: Auch die rund 80 Gäste, die ebenfalls von überall aus der Region kommen und teilweise noch nie etwas mit blinden Menschen zu tun hatten, erleben hier einen spannenden Abend in besonderer Atmosphäre und erfahren, wie blinde ihre Umwelt wahrnehmen. Um das zu ermöglichen, führen wir, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die sich jedes Jahr neu formiert, die Menschen durch drei Vorhänge in den stockdunklen Raum, bedienen sie an der Theke, insofern sie etwas trinken möchten und bringen sie sicher zu ihren Sitzplätzen. Dabei ist jede Person unterschiedlich: Manche sind total mutig und fühlen sich sofort sicher, andere sind eher ängstlich und manche möchten wieder aus dem Dunkeln herausgeführt werden. Im Dunkeln sind die sehenden diejenigen, die blind sind, und wir blinden diejenigen, die sich auskennen. Bevor die Besucherinnen und Besucher sich auf die aufregende Reise begeben, müssen alle Handys ausgemacht und alle Uhren eingesteckt werden, denn auch nur das kleinste Licht würde stören, aber dann entführen wir die Gäste zu einem Ausflug in die Welt der Blinden, in der es nichts zu sehen, aber dafür viel zu erleben gibt – eben mit den Ohren, mit der Stimme – und eigentlich mit dem ganzen Körper.

 

Damit wir die Gäste wirklich gut betreuen können, haben wir zu Beginn jedes Schuljahres einen Intensivkurs, in dem wir Führtechniken erarbeiten und den Notausstieg über die Feuerleiter üben. Zudem lernen wir, wie wir die Besucherinnen und Besucher ansprechen sollen und diejenigen, die an der Theke arbeiten sollen, lernen zudem, die verschiedenen Getränke voneinander unterscheiden zu können, diese teilweise mit dem Flaschenöffner aufzudrehen und das Geld anzunehmen, richtig in die Kasse einzusortieren und gegebenenfalls den richtigen Betrag zurückzugeben. So sind wir gerüstet für eine Saison voller spannender Veranstaltungen, wobei jedes Event etwas einzigartiges und besonderes ist.

 

Dieses Jahr geht "Kultur im Dunkeln" in die 13. Runde und wir dürfen auf eine aufregende und vor allem abwechslungsreiche Saison zurückblicken. Angefangen von "Paucker" mit einer Mischung aus Pop, Rock und Indie-Rock über Chris Cosmo und seinen Künsten als Songwriter bis hin zu Veranstaltungen, die in Kooperation mit dem SWR und "Enjoy Jazz" stattfanden, war musikalisch alles geboten. Daneben gab es, wie bereits erwähnt, einen Abend mit "Fabulust", an dem die beiden Künstlerinnen ein Märchen erzählten und dieses mit Minnegesang untermalten, und unser Schülerhighlight kam am letzten Abend: Drama Light. Basierend auf Vorschlägen des Publikums kreierte die Gruppe spontan kleine Geschichten und spielte verschiedenste Situationen nach. Damit wurde unter dem Motto "Frühlingserwachen" auf äußerst lustige und unterhaltsame Art der Frühling eingeleitet - "Kultur im Dunkeln" bietet also ein vielseitiges Programm an.

 

Dies ist auch ein Grund, warum ich mich an diesem Projekt beteilige und in der Schülergruppe mithelfe. Hier gibt es die verschiedensten Angebote, die verschiedensten Musikrichtungen - und trotzdem haben alle ihren Charme. Es macht einen riesigen Unterschied, ob man die Musik bei sich daheim, bei einem Konzert mit Bühnenlicht oder im kleinen Rahmen in völliger Dunkelheit bei "Kultur im Dunkeln" hört. Das Publikum ist aufmerksamer und lässt sich schneller zum Mitmachen anregen, da der Aspekt "Sehen" wegfällt. Auch für die Künstlerinnen und Künstler ist das Agieren im Dunkeln eine ganz neue Erfahrung. Hier bringen Spickzettel gar nichts, hier muss man seine Liedreihenfolge im Kopf haben. Gleichzeitig muss man aber auch aufeinander hören und immer auch darauf achten, was die Bandmitglieder machen, denn hier kann keiner Handzeichen geben, wenn der Pianist einsetzen oder der Schlagzeuger aufhören soll. Deshalb finde ich auch, dass jeder Musiker und jede Musikerin mal im Dunkeln Musik machen sollte. Mein Engagement bei diesem Projekt liegt aber auch daran, dass ich es wichtig finde, dass sehende Menschen die Möglichkeit bekommen, sich in die Welt blinder Menschen hineinzuversetzen. Nicht zuletzt wirkt sich das auch auf blinde selbst aus. Wenn die sehenden nicht wissen, wie es ist, blind zu sein, dann können sie auch nicht so gut auf blinde eingehen. Wenn sie jedoch selbst erfahren haben, wie es ist, nichts zu sehen, können sie sich auch besser in blinde hineinversetzen und sie gegebenenfalls besser unterstützen.

 

Falls ich also jetzt Dein Interesse geweckt habe und Du noch mehr über "Kultur im Dunkeln" erfahren und das Programm für die kommende Saison einsehen möchtest, schau einfach hier:

https://schloss-schule-ilvesheim.de/kultur-im-dunkeln/

 

Nach dem Abend mit Drama Light hatten wir an einem Nachmittag Besuch von einer Reporterin des Radiosenders SWR2, die sowohl uns als auch die Schauspieler von Drama Light interviewte. Wenn Du Dich auf eine kleine virtuelle Reise in die Dunkelheit begeben möchtest, ist dieses Video eine perfekte Möglichkeit:

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/der-schwarze-salon-der-schloss-schule-ilvesheim-hoeren-in-der-finsternis/-/id=660804/did=19249884/nid=660804/10i3hdw/index.html

 

Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Saison - und wir würden uns natürlich auch sehr freuen, Dich an dem ein oder anderen Abend im "Schwarzen Salon" begrüßen zu dürfen! 

Bis bald,

deine Kerstin                           

Kerstin am 10.8.17 18:25

Letzte Einträge: 5. Dezember, 7. Dezember, 8. Dezember, 9. Dezember, 10. Dezember, 11. Dezember

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