Mein Praktikum Teil 3: Blind Radio machen? Das geht!!!

Hallo,

gestern habe ich euch erzählt, wie ein normaler Praktikumstag bei mir aussah. Aber wie ich das alles als Blinde hinbekommen habe, dass erzähle ich heute.

 

Das Redaktionssystem

 

Das Redaktionssystem stellte das größte Problem dar. Meine Sprachausgabe durfte aus Sicherheitsgründen leider nicht auf den Redaktionscomputern installiert werden. Aber dafür hatte ich Jacky - meine Assistentin - an meiner Seite, die mich tatkräftig unterstützte. Wenn also eine E-Mail geschrieben oder eine Moderation ins System eingetragen werden sollte, diktierte ich ihr, was ich schreiben wollte. Oder aber ich nutzte meinen Laptop mit Sprachausgabe und Braillezeile, um den Text vorzuschreiben. Anschließend übertrug meine Assistentin dann den Text von meinem Laptop-Bildschirm ins Redaktionssystem.

 

Telefonieren

 

Telefonieren ist für Blinde grundsätlich kein Problem. Das einzige Problem bei der Telefonanlage, die im Sender benutzt wurde war, dass die Nummern sehr schnell eingetippt werden mussten. Deshalb teilten Jacky und ich uns die Aufgaben auf: Sie tippte die Nummern ein und ich redete mit den Leuten.

 

Töne schneiden

Das ist eigentlich der richtige Job für Blinde. Schließlich kommt es beim Schneiden darauf an, herauszuhören, ob die O-Töne gut klingen. Das einzige Problem: Beim Schneiden läuft vieles optisch ab. Also setzten wir beide uns die Kopfhörer auf und Jacky bediente das Programm, während ich besonders genau hinhörte und ihr sagte, wo noch was weggeschnitten werden muss. Aber hier war es mehr Teamwork: Das bedeutet, dass auch meine Assistenz mitentscheiden durfte und wir uns gegenseitig berieten und austauschten.

 

Umfragen

Damit ich bei Umfragen niemanden anspreche, der gerade isst, sich unterhält oder telefoniert, übernahm Jacky diesen Teil der Arbeit. Wenn wir dann jemanden überzeugt hatten, sich von uns ausfragen zu lassen, war ich dran mit Fragen stellen. Jacky bediente auch das Mikro.

 

Sonstiges

Meine Assistentin aber auch der Rest der Redaktion half mir überall, wo ich Hilfe benötigte: bei der Orientierung in den Räumlichkeiten, beim Tee kochen usw.

 

Mein Fazit: Das Radio ist das ideale Medium für Blinde, denn hier kommt es ausschließlich auf das Hören an und das können wir ja besonders gut. Wenn man dann noch eine tolle Assistentin dabei hat, ist man genauso wie alle anderen Redaktionsmitglieder in der Lage, alle anfallenden Aufgaben zu erledigen.

Liebes Welle-Niederrhein-Team, vielen Dank für die Möglichkeit, bei euch ein so tolles Praktikum absolvieren zu dürfen. Ich war wirklich traurig, als es vorbei war. Eure vielen Fragen zum Thema Blindheit habe ich euch gern beantwortet. Auch danke für die tollen Beiträge über mich und das Thema Blindsein allgemein, die im Laufe dieses Praktikums entstanden sind. Ich hoffe, ich darf irgendwann mal als Praktikantin wiederkommen.

 

Liebe Jacky, falls du das jetzt liest: Danke für deine Unterstützung und die tolle Zeit, die ich mit dir verbringen durfte. Ich hoffe, wir halten auch weiterhin Kontakt. Es ist schön, dich kennengelernt zu haben.

 So, Schluss mit dem sentimentalen Teil. Morgen erzähle ich euch von den lustigsten und außergewöhnlichsten Situationen, die ich im Praktikum erlebt habe.

Bis dahin macht es gut,

eure Carina  

Carina am 20.1.17 10:30

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Brigitte / Website (23.1.17 22:25)
Hallo Carina,
Danke für deinen Blogbeitrag. Ich finde ganz toll, was du vorhast und wofür du einstehst.
Und danke für deine Aktivitäten hier, denn sie kommen mir sehr gelegen.
Ich bin eine Oldie, vollblind und versuche mich seit etwa einem Jahr mit meinen Blogs, allerdings auf Wordpress und das ist der Grund, weshalb ich begierig hier reingepiept bin.
Meine Blogbeiträge pflegt nämlich mein Mann ein und das finde ich nun gar nicht toll.
Ich habe aber noch keine andere Hilfe gefunden.
Vielleicht ist WP einfach nicht die richtige Software. Ich kenne aber nichts anderesbesseres.
Mein Blog dient als Marketing-Tool für mein Beratungsbusiness und deshalb möchte ich natürlich gern erfolgreich damit sein.
Nun habe ich gedacht, es könnte vielleicht besser sein zu podcasten. Aber auch dazu habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich das als Blinde handhaben kann.
Ich arbeite am Mac und ein bisschen mit dem IPhone.
Bin leider technisch seehr unversiert.
So und weil ihr ja um Mithilfe gebeten habt, werde ich gleich mal eine Frage in die FAQs posten.
Schönen Abend und bis bald
Brigitte

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