3. Dezember

Kapitel 3: Waldspaziergang mit Folgen

 

Nun machten die Kinder sich auf in den Wald. Sie hatten sich ja darauf geeinigt, einen Waldspaziergang zu unternehmen. Bald hatten sie den dichten Wald erreicht. Alle Bäume trugen weiße Mützen aus  Schnee  und die Kinder gerieten

Ins  Schwärmen, als sie den Versuch unternahmen, Hannah diese zauberhafte Landschaft zu beschreiben. Es dauerte nicht lange, bis die Kinder völlig im Dickicht des Waldes verschwunden waren. Es wirkte ganz so wie ein ganz normaler Wintertag. Keine Spur von diesem schrecklichen Schneesturm, der eigentlich kommen sollte. Doch dann frischte der Wind ein wenig auf und ließ die Zweige wackeln. Auf einmal verdunkelte sich der Himmel rasend schnell, an dem soeben noch die Wintersonne so schön geschienen hatte. „Kommt jetzt etwa der schreckliche Schneesturm?“, wollte  der Kleine Julian wissen. Man hörte deutlich, wie zittrig seine Stimme war. Zittrig vor Angst und Furcht. „Nein, die Sonne ist nur weg“, beruhigte ihn Jana. Aber auch ihr war nicht wohl in ihrer Haut, denn sie musste jetzt auch über die Worte des alten Bauern nachdenken. Und Julian sollte Recht behalten. Nach geraumer Zeit hatte sich der Himmel völlig verdunkelt und dunkle Wolken bedeckten den gesamten Himmel und ein Sturm rüttelte an der Kleidung der Kinder. Aber er rüttelte nicht nur an der Kinderkleidung, sondern auch an den Bäumen. Dadurch flogen bald kleine Zweige durch die Luft, blieben aber dank der Dichte des Waldes meist in den umstehenden Bäumen hängen.  Irgendwann kam dann zu allem Überfluss heftigster Schneefall hinzu. Es schneite so stark, dass es den Kindern bald sehr schwer fiel, Himmel und Erde auseinander zu halten, denn egal in welche Richtung sie ihre Blicke schweifen ließen, sie sahen nur das Weiß des Schnees. Vorsichtig machte Jana ein paar Schritte und stieß gegen einen Baum, den sie vor lauter Weiß nicht erspäht hatte.  „Was machen wir jetzt? Wo sind wir überhaupt?“, fragten Julian und Svenja ängstlich. „Keine Ahnung“, gaben die Anderen zu. Das war wirklich eine gute Frage. Bei all dem Schnee hatten alle  die Orientierung verloren. Selbst Hannah, die den Anderen sonst immer helfen konnte, wenn sie nichts mehr sahen, hielt sich an Annika fest. Sie hatte keine Ahnung, ob unter ihren Füßen gerade eine Wurzel oder der Waldboden war. Das Einzige, was sie nun tun konnten, war, einfach die Nase nach zu gehen. „Irgendwo wird uns der Weg schon hinführen“, dachten sie zuversichtlich. Langsam stieg der Schnee an und bald versanken die Winterstiefel der Kinder vollends im Schnee. „Ich will die Bescherung nicht verpassen“, schluchzte Julian. „Ich auch nicht“, pflichtete ihm Svenja weinend bei. „Es wird schon nicht so weit kommen“, versuchte Hannah sie zu beruhigen. Aber auch Hannah hatte Sorge, zu spät nach Hause zu kommen, denn sie hatte ihre Brieffreundin aus London zu Gast. Das Mädchen war ebenfalls blind und hieß Jessica. Hannah und Jessica verstanden sich blendend  Sie würde die gesamten Weihnachtsferien bleiben und brauchte Hannah. In ihrer Familie beherrschten nämlich nur die Kinder die englische Sprache. Außerdem stand ein Blindenhund auf ihrem Wunschzettel und es interessierte sie sehr, ob ihr ihre Eltern einen gekauft hatten. Natürlich wusste das blinde Mädchen genau, dass Blindenhunde sehr, sehr teuer sind, aber ihre Eltern hatten sehr, sehr viel Geld.  Nachdem die Kinder mehrere Stunden ziel- und  orientierungslos durch den Wald geirrt waren, sah Annika ein kleines Rehkitz im Schnee liegen.

 

Carina am 3.12.16 19:50

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