19. Dezember

Die Geschichte vom Lametta

Weihnachten naht, das Fest der Feste-
Das Fest der Kinder - Fest der Gäste-
Da geht es vorher hektisch zu.....
Von Früh bis Abend - keine Ruh -
Ein Hetzen, Kaufen, Proben, Messen -
Hat man auch niemanden vergessen...?

So geht es mir - keine Ahnung habend -
Vor ein paar Jahren - Heiligabend -
der zu dem noch ein Sonntag war.
Ich saß grad bei der Kinderschar,
da sprach mein Weib: "Tu dich nicht drücken,
Du hast heut noch den Baum zu schmücken!"

Da Einspruch meistens mir nichts nützt,
hab kurz darauf ich schon geschwitzt:
Den Baum gestutzt - gebohrt - gesägt -
und in den Ständer eingelegt.
Dann kamen Kugeln, Kerzen, Sterne,
Krippenfiguren mit Laterne,
Zum schluss ---- ja Himmelwetta......!
Nirgends fand ich das Lametta!

Es wurde meiner Frau ganz heiß
und stotternd sprach sie: "Ja, ich weiß,
im letzten Jahr war es arg verschlissen -
Drum habe ich es weggeschmissen.
Und - in dem Trubel dieser Tage,
bei Arbeit, Müh und Plage -
Vergaß ich, Neues zu besorgen!
Ich werde was vom Nachbarn borgen!

Die Nachbarn - links, rechts, drunter, drüber -
die hatten kein Lametta über
 Da schauten wir uns an verdrossen;
Die Läden sind ja auch geschlossen....

"Hört zu! Wir werden heuer haben
einen Baum -- altdeutscher Stil,
Weil ... mir Lametta nicht gefiel..."
Da gab es Heuler, Schlurzen, Tränen...
und ich gab nach den Schmerzfontänen:
"Hört endlich auf mit dem Gezeta ---
ihr kriegt nenn Baum - mit viel Lametta!"

Zwar konnt ich da noch nicht begreifen,
woher ich nehm die Silberstreifen...!
Doch grade, als ich sucht - mein Messa -
da ließ ich: "Hengstenberg MILDESSA"..
Es war die Sauerkrautkonserve!
Ich kombinier mit Messers Schärfe:
Hier liegt die Lösung eingebettet,
das Weihnachtsfest, es ist gerettet!!!!

Schnell wurde der Deckel aufgedreht,
das Kraut gepresst, so gut es geht -
zum Trocknen - einzeln - aufgehängt-
und dann geföhnt, -- doch nicht versengt!!
Die trocknen Streifen, sehr geblichen
mit Silberbronce angestrichen -
Auf beiden Seiten, Silberkleid!
Oh freue Dich, Du Christenheit!

Der Christbaum war einmalig schön,
Wie selten man ihn hatte gesehen!
Zwar rochs süßsauer zur Bescherung,
geruchlich gabs ne Überquerung,
weil mit Benzin ich wusch die Hände,
mit Nitro reinigt die Wände,
dazu noch Räuscherkerzen und Myrthe -
Der Duft die Menge leicht verwirrte!
Und Jemand sprach still, verwundert:
"Hier riechts nach technischem Jahrhundert!"

Ne Woche drauf! .. Ich saß gemütlich
im Sessel, laß die Zeitung friedlich,
den Bauch voll Feiertage-Reste --
es war wieder Sonntag - und Sylvester.

Es sprach mein Weib: "Du weißt Bescheid?!
Es kommen heut zur Abendzeit
Schulzes, Lehmanns und Herr Meier
zu unserer Sylvesterfeier..."
Wir werden leben wie die Fürsten --
es gibt Sauerkraut mit Wiener Würsten!!"
Ein Schrei ertönt! Entsetzt sie schaut:
"Am Christbaum hängt mein Sauerkraut!!
Vergessen, Neues zu besorgen!
Ich werde was vom Nachbarn borgen!"
Die Nachbarn links, rechts, drunter, drüber -
die hatten - leider - keines über!
Da schauten wir uns an verdrossen:
Die Läden sind ja auch geschlossen!!

Und so ward wieder ICH der Retter
nahm ab vom Baum das Lametta!
Mit Terpentinöl und Bedacht
hab ich das Silber abgemacht.
Das Kraut dann gründlich durchgewässert,
mit reichlich Essig noch verbessert,
dazu noch Nelken, Pfeffer, Salz
und Curry, Ingwer, Gänseschmalz!
Dann, als das Ganze sich erhitzte -
das Kraut das funkelte und blitzte -
da konnte ich nur nach oben flehen:
Lass diesen Kelch vorübergehen...!

Als später dann das Kraut serviert
ist auch noch folgendes passiert:
Als eine Dame musste niesen
sah man aus ihrem Näschen sprießen
tausend kleine Silbersterne...
"Machs noch einmals, ich seh das so gerne.."
so rief man ringsum, hocherfreut -
die Dame wusste nicht Bescheid!

Franziska Lehmann sprach zum Franz:
"Dein Goldzahn hat heut Silberglanz!"
Und einer, der da musste mal
der rief: "Ich hab nen Silberstrahl!"
So gabs nach dieser Krautmethode
noch manche nette Episode!

Beim Heimgang sprach ein Gast zu mir:
"Es hat mir gut gefallen hier,
doch wär die Wohnung noch viel netter
hättest du am Weihnachtsbaum Lametta!!!"
Ich konnte da gequält nur lächeln
und mir noch frische Luft zufächeln.
Ich sprach - und klopfte ihm aufs Jäckchen:
"Im nächsten Jahr, da kauf ich 100 Päckchen!!"

Verfasser unbekannt am 19.12.17 22:09, kommentieren

18. Dezember

Weihnachtssprüche für eure Weihnachtskarten

 

Wenn uns bewusst wird, dass die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschen nehmen, das
Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden.
(Roswitha Bloch)

Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in
alle Ewigkeit verloren.
(Angelus Silesius)

Geldgeschenke empfehlen sich deshalb ganz besonders für Weihnachten, weil man sie so
bequem umtauschen kann.
(Markus M. Ronner)

Der Dezember ist mitnichten
gut für Tannen oder Fichten.
(Klaus Klages)

Während der Weihnachtszeit sind die Menschen viel aggressiver als sonst.
(Pavel Kosorin)

Ich denke manchmal, wir erwarten zuviel von Weihnachten. Wir versuchen da alles
hineinzustopfen, was wir an Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit während
eines ganzen Jahres schuldig geblieben sind.
(unbekannt)

Was es auf dem Weihnachtsmarkt nicht alles zu kaufen gibt! Was fehlt, sind einzig die Dinge,
die unser Herz wirklich begehrt.
(Brigitte Fuchs)

Hört die Glöcklein wie sie läuten so hell,
jetzt gibt's bald was richtiges zum Mampfen,
gell?
(Stefan Wittlin)

Die Gans zum Pfarrer:
"Herr Pfarrer, bitte sagen Sie mir die Wahrheit;
gibt es ein Leben nach Weihnachten?"

Wer sein Herz an Jesus verliert, der hat das Leben gewonnen. Er ist heil geworden.
Wer zur Krippe geht, kehrt als Beschenkter zurück. Er ist angesteckt, damit der Glaube nicht
mehr auf Sparflamme brennt.

Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel.
(James Henry Leigh Hunt)


Friede

Hört, wie hell ein Glöckchen klingt,
der Kinder Herz vor Freude springt,
erfüllt die Welt mit Lichterschein
und, Weihnachtsfriede, kehre ein.
(Oskar Stock)

Als Gottes Kind im Krippenstroh lag,
hat der Himmel die Erde geküsst.

Die Geburt Jesu in Bethlehem ist keine einmalige Geschichte, sondern ein Geschenk, das
ewig bleibt.
(Martin Luther)

Das Weihnachtsspielzeug der Kinder würde viel länger halten, wenn die Erwachsenen ihr
Eigenes bekämen.

Eine Kerze abbrennen lassen und sich wirklich einmal die Zeit dazu nehmen, gar nichts weiter
zu tun als dieses.

Kommen wird er, den alle Völker erwarten,
und das Haus des Herrn wird erfüllt mit Herrlichkeit.
(Bibel)

Weihnachten ist zwar nur einmal im Jahr, aber das ist auch genug.

 

verschiedene am 18.12.17 22:33, kommentieren

17. Dezember

Zwei kleine Gedichte

 

Mach es wie der Weihnachtsbär –
der nimmt das Leben nicht so schwer,
lässt keine Sorgen durch sein Fell,

er liebt die Welt ganz warm und hell.
Und sollte Sie mal dunkel sein,
geniesst er sie bei Kerzenschein.

 

Am Weihnachtsabend gingen aus, die Maus, der Fuchs, das Häschen.
Sie gingen durch den Winterwald und kalt war bald ihr Näschen.

Sie kamen an ein Herbergshaus, die Maus, der Fuchs, das Häschen.
Da rief der Wirt zum Fenster 'raus: "Kommt trinkt mit mir ein Gläschen!"

Ein alter Mann mit weißem Bart lag schnarrchend unterm Fäß'chen. "Ist das dort nicht der Weihnachtsmann?", schrien Maus und Fuchs und Häschen. "So weckt ihn doch! So weckt ihn doch! Sein Weg ist noch so weit.
Oh weh! Durch Wald und Feld und Gäß'chen"

Daß er noch leidlich pünktlich kam, zu Onkel, Tanten, Bäs'chen, verdanken wir in diesem Jahr (und das ist wahr) der Maus, dem Fuchs, dem Häschen.

 

Verfasser unbekannt am 17.12.17 15:05, kommentieren

16. Dezember

Weihnachtswitze

Weihnachten - wann war das noch mal?

Sagt die eine Blondine zur anderen: "Dieses Jahr ist Weihnachten am
Freitag." Antwortet die andere: "Hoffentlich nicht am 13."


Kriminelle an der Krippe

Fritzchen geht zur Krippe, nimmt das Jesuskind aus dem Stroh und sagt zu
ihm: "So, und wenn ich dieses Weihnachten keinen Gameboy kriege, dann siehst
du deine Eltern nie wieder!"


Betonköpfe

Es ist kurz vor Weihnachten, Geschenkideen sind gefragt. "Ich werde meinem
Mann Goethe und Schiller schenken, und zwar in Leder." "Sehr vernünftig",
meint die Freundin, "die gehen ja auch nicht so leicht kaputt wie die aus
Gips."


Ein Roller ist ein Roller - oder?

Drei Blondinen treffen sich nach Weihnachten. "Mein Freund hat mir ein Buch
geschenkt.", sagt die eine. "Dabei kann ich doch gar nicht lesen!" - "Das
ist doch gar nichts! Mein Freund hat mir einen Terminplaner gekauft, dabei
kann ich gar nicht schreiben!" - "Bei mir ist es noch viel schlimmer! Mein
Freund hat mir einen Deoroller gekauft, dabei habe ich doch gar keinen
Führerschein!"


Ansichtssachen

Geschenktipps unter Männern: "Meine Frau wünscht sich etwas zu Weihnachten,
das ihr zu Gesicht steht." Rät der Kumpel: "Kauf ihr einen Faltenrock!"


Vom Schwein verfolgt

Du fährst mit dem Auto und hältst eine konstante Geschwindigkeit. Auf deiner
linken Seite befindet sich ein Abhang. Auf deiner rechten Seite fährt ein
riesiges Feuerwehrauto und hält die gleiche Geschwindigkeit wie du. Vor dir
galoppiert ein Schwein, das eindeutig größer ist als dein Auto, und du
kannst nicht vorbei. Hinter dir verfolgt dich ein Hubschrauber auf
Bodenhöhe. Das Schwein und der Hubschrauber haben exakt deine
Geschwindigkeit.
Was unternimmst du, um dieser Situation gefahrlos zu entkommen?
Ganz klar: Vom Kinderkarussell absteigen und weniger Glühwein trinken!


Schuldfrage

Josef und Maria sind auf Herbergssuche. Leicht genervt klopft Josef an die
zwölfte Tür. Der Wirt öffnet, es entsteht folgender Dialog: Josef: "Habt Ihr
Quartier für mich und meine Frau?" Wirt: "Nein, alles ausgebucht Josef:
"Aber seht doch, meine Frau ist hochschwanger Wirt: "Da kann ich doch nichts
für..." Josef ist empört: "Ich doch auch nicht!"


Rezept für Blondinen

Wie macht eine Blondine Weihnachtsmarmelade? - Sie schält einen Berliner.


Lasst uns anstoßen!

Mitten auf der Kreuzung stoßen am Heiligen Abend zwei Autos zusammen. Ein
Polizist kommt und zückt seinen Notizblock. Darauf der eine Fahrer: "Aber
Herr Wachtmeister, man wird doch noch aufs Fest anstoßen dürfen!"


Schönen Dank auch

Peter ruft seine Tante an: "Ich danke dir für das Geschenk, das du mir zu
Weihnachten geschickt hast." - "Ach", erwidert die Tante, "das ist doch
nicht der Rede wert." - "Der Meinung war ich auch", entgegnet Peter, "aber
Mami meinte, ich müsste mich auf alle Fälle bei dir bedanken."


Geschenkt

Stau - ein Fahrer hupt wie verrückt. Aus dem nebenstehenden Auto beugt sich
eine Frau heraus und erkundigt sich: "Und was haben Sie sonst noch zu
Weihnachten bekommen?"


Zündstoff

Die Mutter zu ihrem Sohn: "Zünde doch bitte mal den Adventskranz an". Fünf
Minuten später kommt er zurück: "Die Kerzen auch?"


Blitzende Lichter

Der Familienvater will seine vierjährige Tochter zum Weihnachtsfest
überraschen. Er leiht sich ein Weihnachtsmannkostüm aus, zieht es sich im
Schlafzimmer an, bewaffnet sich mit Sack und Rute und geht ins Wohnzimmer zu
Tochter und Frau. Dort sagt er sein Sprüchlein auf:
"Drauß' vom Walde komm' ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr,
und überall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Lichtlein blitzen."
Die Tochter macht große Augen - und fragt: "Mama, ist der Papa wieder
besoffen?"

Verfasser unbekannt am 17.12.17 15:03, kommentieren

15. Dezember

Die ganz besondere Postkarte

Herta lief die Maschseepromenade entlang. Sie kam aus der Schule, hatte die Mütze fest auf den Kopf gedrückt, denn es war ein stürmischer, regnerischer Tag. Blätter jagten vor ihr her. Bald lief sie mit ihnen um die Wette. "Wer zuerst an dem nächsten Baum ist", so oder ähnlich nannte sie ihre Spielereien.
Plötzlich mischte sich zwischen das Laub ein rechteckiges Stück Papier. Herta beschleunigte ihr Tempo: "Dich kriege ich!", übermütig klang ihre Stimme. Sie hatte das Gefühl, sie hetze hinter einer ganz besonderen Beute her, die ihr der Wind aber wegnehmen wollte. Endlich - der Sturm hatte eine ganz kurze Pause eingelegt - beugte sie sich ganz rasch nieder und hielt eine nasse, schmutzige Postkarte in ihren Händen. "Pfui", kam es aus dem Kindermund. Sie wollte die Karte schon weit von sich wegschleudern, da fiel ihr auf, dass darauf etwas stand. Hertas Neugier war geweckt. Sie konnte mit ihren 8 Jahren schon sehr gut lesen, und verstand schon recht gut, was sie las.
Die Eltern hielten sie deshalb für "hoch begabt" und wollten sie auf eine besondere Schule schicken, wo man viel mehr lernen musste, als auf der Grundschule. Wenn man Herta fragte, hielt sie das alles für übertrieben. Sie wollte bei ihren netten Freundinnen und Lehrern bleiben und viel Zeit zum Träumen haben.
Sie begann die aufgeweichte Postkarte zu lesen: "Liebe Tante Milli, wir bekommen am 22. Dezember Ferien. Ich freue mich, dass Du mich zu Weihnachten eingeladen hast. Seit meine Eltern in Scheidung leben, ist es zu Hause nicht mehr schön. Mutter und Vater streiten dauernd, und wenn ich aus dem Internat komme, weiß ich gar nicht, wo ich hin soll. Außerdem sind meine Augen in letzter Zeit so schlecht geworden, dass ich nicht ohne weißen Stock gehen kann. Vater verbietet mir das aber, weil er sich vor den Nachbarn meinetwegen schämt. Bitte, hole mich am 22. Dezember um 16 Uhr am hannoverschen Hauptbahnhof ab. Ich sitze im ICE aus Nürnberg. Deine Sina"
Die Finderin der Karte machte sich ihre Gedanken. Wer war diese Tante Milli. Sie drehte den nassen, etwas ekligen Fetzen auf die andere Seite. Die Anschrift konnte man nicht mehr lesen, so verschmutzt war sie. Nur der Text, fein säuberlich mit der Maschine geschrieben, hatte den Regen verkraftet. Wie kam die wichtige Nachricht hier auf den Weg?
Das Hochbegabtenhirn begann auf Tour zu kommen. Hatte Tante Milli diese Karte überhaupt gelesen? Und was würde geschehen, wenn Sina in 2 Tagen völlig verlassen auf dem Bahnsteig stünde, weil Tante Milli nichts von ihrer Ankunft ahnte. Sie, Herta, wusste, dass Sina nicht sehen konnte. Musste man da nicht helfen?

Der 22. Dezember war übermorgen. Herta würde keine Schularbeiten mehr machen müssen. Es gab ja Ferien, also hatte sie um 16 Uhr frei. Mutter wollte zwar mit ihr in die Oper "Hänsel und Gretel" zum Einstimmen auf Weihnachten, vielleicht konnte man eine spätere Aufführung besuchen. Herta wusste ganz plötzlich, dass sie zum Bahnhof gehen müsste. Dort wollte sie nach einem Mädchen mit einem langen, weißen Stock ausschau halten. Wenn Tante Milli auch dort war, wollte sie nur kurz "Guten Tag!" sagen und die Karte abgeben, wenn aber niemand Sina erwartete, wollte sie sie zu ihrer Ferienadresse bringen. Auf jeden Fall war es ihr Wunsch, Sina kennen zu lernen.

Herta verbarg die durchweichte Postkarte in ihrem Ranzen, straffte die Schultern und strebte selbstbewusst ihrem Zuhause entgegen. Die Mutter wartete schon besorgt: "Wo warst du so lange? Du bist ja ganz nass." Herta ging auf die Fragen nicht ein. "Mütter fragen manchmal etwas zu viel." Sie trank widerwillig den grässlichen Pfefferminztee und ging dann ihrerseits zum Fragen über. "Sag mal, Mutti, wie kommt man am besten zum Bahnhof?" "Warum willst du das wissen?" "Ach, wir haben gerade so ein lustiges Spiel erfunden, in dem wir uns gegenseitig Aufgaben stellen, zum Beispiel: Wie kommt man schnell zur Marktkirche? Ich hatte den Bahnhof erwischt und sollte nun einen Plan mit der Straßenbahn angeben. Leider fahren wir ja immer mit dem Auto, da wusste ich das nicht." Die Mutter suchte im guten Glauben die Straßenbahnverbindungen von ihrer Wohnung zum Bahnhof heraus. Herta merkte sich alles ganz genau.
Dann war noch eine Hürde zu nehmen: "Müssen wir eigentlich am 22. Dezember um 16 Uhr in die Oper?" "Herta, ich verstehe dich nicht, du hast doch die Musik von Humperdinck so gern, aber wenn du meinst ..." "Ich würde viel lieber abends in die Oper gehen. Da ist es leiser, weil nicht so viele Kinder dort sind."
Die Mutter lächelte in sich hinein. "Sieh an, ihre kleine Tochter wollte schon ungestört Musik hören. Das musste sie unbedingt dem Vater erzählen.
"Ich werde mich bemühen, Karten für die Abendvorstellung zu bekommen." "Geschafft!", Herta atmete auf. Jetzt stand ihrem Besuch auf dem Bahnhof fast nichts mehr im Wege. Das Sparschwein musste natürlich "geschlachtet" werden, denn sie brauchte Fahrkarten und vielleicht könnte man Sina ja auch ein kleines Geschenk mitbringen.

Pünktlich am 22. Dezember um 15.50 Uhr drängte sich ein kleines Mädchen durch die Menschenmassen. "Können sie mir sagen, wo der ICE aus Nürnberg hält?" Herta versuchte ihrer Stimme Festigkeit zu verleihen. Der Beamte lächelte: "Du willst sicher die Mama abholen, Gleis 9." Herta rannte so schnell sie ihre Füße trugen, benutzte die Rolltreppe und hörte, dass der Zug aus Nürnberg 20 Minuten Verspätung habe. Der Bahnsteig wimmelte vor Menschen. Konnte das da drüben Tante Milli sein? Nein, die sah zu modern aus. Milli war sicher schon älter, der Name hörte sich so an. Vielleicht war es die Frau mit dem komischen Hut. Hertas Fantasie schlug Purzelbäume.
Endlich hielt der ICE aus Nürnberg. Herta hatte Glück. Aus dem Wagen, der unmittelbar vor ihr hielt, stieg ein junges Mädchen mit weißem Stock. Der Schaffner reichte ihm die Hand: "Werden sie abgeholt?" "Ja, ich warte hier auf meine Tante." Das musste Sina sein. Herta, das mutige Kind, wurde ganz schüchtern. Wie schön Sina aussah, dunkle Locken, roter Mantel und eine hübsche Brille. Aber wo blieb die Tante. Der Zug fuhr Richtung Hamburg weiter. Sina wurde unruhig. Tastend bewegte sie ihren Stock. Da fasste sich Herta ein Herz: "Verzeihung, heißen sie Sina, und warten sie auf Tante Milli?"
"Ja, ja, aber wer bist du?"
Herta erzählte die Geschichte vom Wind und der Karte, von der Mutter und der Oper usw. Sina gewann allmählich ein Bild von dem, was passiert sein könnte. Sie war immerhin 16 Jahre alt, und so entschied sie: "Wir werden jetzt noch eine Weile auf Tante Milli warten. Kommt sie nicht, hat sie diese Karte nie erhalten. Dann müssen wir sie in ihrer Wohnung überraschen. Es ist so lieb von dir, dass du mir dabei hilfst."
Herta und Sina machten sich nach geraumer Zeit auf den Weg zu Tante Milli. Sie hatten große Mühe, mit dem schweren Koffer im Weihnachtsverkehr zurecht zu kommen. Herta nahm alle Kraft zusammen, fragte hier und dort, schließlich konnte eine überglückliche Tante Milli ihre Nichte in Empfang nehmen.
Sie hatte keine Nachricht erhalten, schon mehrfach in Sinas Internatsschule angerufen, aber dort ging niemand mehr ans Telefon. Es waren eben Ferien. Die Karte musste dem Zusteller aus der schweren Tasche gerutscht sein. Wie gut, dass es Herta gab. Die guckte aber ziemlich entsetzt auf ihre Armbanduhr. "Oh, meine Mutti wird schimpfen, denn wir wollten heute noch in die Oper." Tante Milli rief Hertas Mutter an, erzählte die ganze Geschichte. Die Mutter war wieder einmal fasziniert von ihrem hochbegabten Kind. Für sie zählte Intelligenz mehr als Herz. Dennoch hatte sie eine Idee. "Ich komme gleich und hole dich, Sina und Tante Milli ab. Wir werden versuchen, an der Abendkasse noch Karten für die Oper hinzuzukaufen. Wie schön wird es für Sina sein, mit uns einen Abend zu verbringen."
Als zu Weihnachten Herta und ihre Eltern mit Tante Milli und Sina in der geschmückten Weihnachtsstube saßen, freute man sich, dass der Zusteller die Postkarte verloren und der Wind sie zu Herta getragen hatte, denn neue Freundschaften wurden geknüpft.

Verfasser unbekannt am 17.12.17 14:56, kommentieren